EU-Kreislaufwirtschaftspaket

Chancen für mehr Recycling und Ressourcenschutz

In der EU werden jedes Jahr mehr als 420.000 Tonnen Getränkekartons stofflich verwertet. Es könnten deutlich mehr sein. Ohne Frage: Ehrgeizige Recyclingquoten sind ein wichtiges Instrument, um den Ressourcenverbrauch zu verringern - allerdings nicht das Einzige.

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Seit die EU-Kommission im Dezember 2015 das sogenannte „Kreislaufwirtschaftspaket“ vorgelegt hat, wird heftig darüber diskutiert, ob die Vorschläge ambitioniert genug sind. Es geht unter anderem darum, wie viel Siedlungsabfall maximal deponiert werden darf, welche Standards bei der Abfallbehandlung gelten oder wie hoch die Recyclingquoten sein sollen. Auch darüber, wie die Quoten zu berechnen sind, gibt es unterschiedliche Vorstellungen.

Recyclingquoten müssen ambitioniert, erreichbar und vergleichbar sein

Die Erfahrungen zeigen: In Ländern, in denen viel deponiert werden darf, wird wenig recycelt. Wo es keine gesetzlichen Vorgaben zur getrennten Erfassung aller Verpackungen gibt, sind hohe Recyclingquoten die Ausnahme. Dort reicht es häufig schon, sich auf wenige besonders werthaltige Materialien zu konzentrieren, um die wenig anspruchsvollen Ziele zu erreichen. „Diese Rosinenpickerei blockiert Investitionen in innovative Sortier- und Recyclingverfahren und behindert die Entwicklung neuer Verpackungslö-sungen“, erklärt Sabine von Wiren-Lehr von der „Alliance for Beverage Cartons and the Environment“ (ACE), dem europäischen Verband der Getränkekartonhersteller. Daher setzt sich der Verband in Brüssel dafür ein, dass getrennt erfasste, recycelbare Verpackungen nicht deponiert werden dürfen. Auch die thermische Verwertung sollte nur zulässig sein, wenn nachgewiesen wird, dass eine stoffliche Verwertung nur durch einen unverhältnismäßig hohen technischen oder finanziellen Aufwand möglich ist oder für die gewonnenen Wertstoffe kein Markt vorhanden ist oder geschaffen werden kann.

Selbstverständlich müssten die von den Mitgliedstaaten gemeldeten Recyclingquoten miteinander vergleichbar sein. Übermäßiger bürokratischer Aufwand sei aber zu vermeiden: „Wir brauchen praktikable Regelungen, die sicherstellen, dass nationale Regierungen ihren Zusagen nicht nur auf dem Papier nachkommen“, so die ACE -Auschussvorsitzende.

Ressourcenschutz beginnt lange vor dem Recycling

Unverständlich ist nach Ansicht des Verbandes, dass sich die vorliegenden Legislativvorschläge fast ausschließlich auf das Recycling konzentrieren. Von Wiren-Lehr: „Der Beitrag, den nachwachsende, biobasierte Rohstoffe aus nachhaltig bewirtschafteten Quellen für den Ressourcenschutz leisten, bleibt weitgehend ausgeblendet.“ Die verstärkte Nutzung nachwachsender Materialien aus nachhaltig bewirtschafteten Quellen reduziere die Abhängigkeit Europas von endlichen Ressourcen. So werden nach Aussagen von ACE 90% des europäischen Holzbedarfs für die Papier- und Kartonherstellung aus europäischen Wäldern gedeckt. Produkte aus Biomasse verursachen im Vergleich zu solchen aus fossilen Rohstoffen deutlich weniger CO2-Emissionen. Ohne die Unterstützung und Förderung biobasierter Materialien werde der Einstieg in eine kohlenstoffarme Wirtschaft nicht gelingen. Neben der Abfallvermeidung, der Wiederverwendung und der stofflichen Verwertung sei der Einsatz von biobasierten Materialien zur Herstellung von Verpackungen ein weiteres, wesentliches Element der Kreislaufwirtschaft und des Ressourcenschutzes.

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