UBA II-Studie: Getränkekarton "ökologisch vorteilhaft"

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Was für Experten absehbar war, kam für viele überraschend: Am 9. August 2000 erklärte der damalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin: „Zwischen Mehrwegflaschen und Einweg-Getränkekartons gibt es aus Umweltsicht ein Patt.“ Grundlage für diese Bewertung war eine Ökobilanz des Umweltbundesamtes (UBA) zu 28 Einweg- und Mehrwegverpackungen für CO2-haltige Getränke, Mineralwasser und Wein, die in Fachkreisen bis heute UBA II-Studie genannt wird.

Zwei Jahre später das gleiche Ergebnis: Anlässlich der Vorstellung des „Zukunftsszenarios“, das Optimierungspotentiale der Verpackungen aufzeigen sollte, sagte der damalige Präsident des Umweltbundesamtes Prof. Andreas Troge: „Zwar sind sowohl bei Einweg- als auch bei Mehrwegverpackungen deutliche Verbesserungen zu verzeichnen, Mehrweg bleibt jedoch auch in absehbarer Zukunft Einweg überlegen. Getränkekartons bilden dabei allerdings eine Ausnahme."

80 Prozent umweltfreundliche Verpackungen bleibt das Ziel

Getränke- und Verpackungsmärkte ändern sich im Laufe der Zeit. Produktions- und Recyclingprozesse sind davon ebenso betroffen, wie Distributionsentfernungen oder Umlaufzahlen von Mehrwegflaschen. Trotzdem hat sich an der positiven Bewertung von Mehrwegflaschen und Getränkekartons durch das UBA und das Bundesumweltministerium bis heute nichts geändert: „Die Bundesregierung erachtet das in der Verpackungsverordnung angestrebte Ziel von 80% in Mehrweg- und ökologisch vorteilhaften Einweggetränkeverpackungen nach wie vor für umweltpolitisch sinnvoll“, erklärte die damalige Umwelt-Staatssekretärin Reiche im März 2012. Die derzeit vorliegenden Erkenntnisse gäben keinen Anlass, an der Einstufung bestimmter Einwegverpackungen als "ökologisch vorteilhaft" etwas zu ändern.  Hintergrund für diese Aussage ist, dass dem UBA in den letzten 10 Jahren eine Vielzahl von ISO-konformen Ökobilanzstudien vorgelegt wurden, mit denen die Hersteller die ökologische Vorteilhaftigkeit ihrer Verpackungen bestätigt sehen wollten. Trotz kontroverser öffentlicher Diskussionen, konnten die Studien der Dosen- und Kunststoffindustrie die grundsätzliche Bewertung des UBA aus dem Jahr 2000 allerdings nicht erschüttern.