Trennung von Verbunden ist kein Hexenwerk

Trichter

Getränkekartons zu recyceln ist technisch nicht viel aufwendiger als das Recycling von Zeitungen oder Wellpappe. Gebraucht wird dazu lediglich ein sogenannter "Pulper", der in fast jeder Papierfabrik, die Altpapier einsetzt, zu finden ist. Es handelt sich dabei um einen großen Bottich mit einem Rührwerk: die Kartons werden dort hinein gegeben, Wasser dazu und so lange rühren, bis sich die Fasern von den Folien ablösen. Das dauert beim Getränkekarton etwas länger als bei unbeschichteten Papieren.

Heute haben sich allerdings Auflösetrommeln durchgesetzt. Während mit einem konventionellen Pulper ca. 70 Tonnen am Tag verarbeitet werden können, schafft die Trommel über 200 Tonnen.

Die Auflösetrommel: Waschmaschine in XXL

Trommel Innen800Herzstück der Recyclinganlage ist ein je nach Bauart etwa 30 Meter langer, rotierender Metallzylinder mit einem Durchmesser von ca. 3 Meter. Wie in einer Waschmaschine werden die zuvor geschredderten Getränkekartons unter Zugabe von Wasser „geschleudert“. Auf der Innenseite der Trommel befinden sich „Schaufeln“, die das Material nach oben transportieren, von wo es wieder herunterfällt und zunehmend zerfasert. Der Papieranteil weicht langsam auf und löst sich von den Folien. Chemikalien werden nicht eingesetzt. Durch kleine Löcher in der Trommelwand wird der Faserbrei abgeschwemmt. Anschließend wird er gereinigt, eingedickt und zur Papiermaschine gepumpt.

Kunststoff- und Alureste werden verwertet

In der Innenseite der Trommel verbleiben die Folienreste. Diese werden derzeit überwiegend in Zementfabriken verwertet. Bei der Zementherstellung braucht man nicht nur die Energie aus dem Kunststoff, sondern auch Aluminiumoxid, um die Abbindeeigenschaften des Zements zu verbessern. Die PE-Aluminium-Folien aus der Getränkekartonaufbereitung sind daher sehr willkommen, zumal erheblich geringere Emissionen als beim Einsatz von Steinkohle oder anderen Sekundärbrennstoffen entstehen.

Rohstoffpreise treiben Innovationen

Steigende Rohstoffpreise machen auch rein werkstoffliche Verfahren interessant. Anfang 2010 hat die APK AG in Merseburg eine Recyclinganlage in Betrieb genommen, die mit einem weltweit einzigartigen Verfahren Verbundmaterialien trennt. Die Anlage produziert verschiedene Kunststoffgranulate. Bis Ende 2014 wurden dort jährlich ca. 40 Prozent der in Deutschland anfallenden PE-/Aluminium-Reststoffe stofflich verwertet. Aber genauso, wie hohe Rohölpreise Innovationen und Investitionen in Recyclinganlagen fördern, so bewirken niedrige Preise das Gegenteil: Der drastische Preisverfall auf dem Rohölmarkt setzt auch Anlagen, die Kunststoff-Aluminium-Reststoffe aufbereiten, unter Druck. Die Recyclat-Preise folgen stets dem Trend der Primärware. Die Anlage wird derzeit nicht beliefert.

Auch International entwickelt sich eine Nachfrage nach derartigen Kunststoffverbunden: Die Anlage der Firma Luhai in Xiamen/ China trennt Kunststoff/Aluminium -Reststoffe aus der Aufbereitung der gebrauchten Getränkekartons in einem mechnisch/chemischen Prozess wieder auf. Das auf Umwelttechnik spezialisierte Unternehmen hat das Verfahren 2010 zum Patent angemeldet und verfügt über eine Aufbereitungskapazität von 30.000 Tonnen im Jahr. Die Anlage wurde von einem deutschen Sachverständigen auf Grundlage der Anforderungen der Landesumweltministerien (LAGA M37) zertifiziert. Aus dem gewonnenen PE-Granulat entstehen u.a. Schaumstoffmatten, Sohlen für Sportschuhe oder Fassadenverkleidungen. Das zurückgewonnene Aluminium findet z.B. Anwendung bei der Herstellung von Gasbetonsteinen. Durch die Zugabe von Aluminium in die alkalische Mörtelsuspension entwickelt sich Wasserstoffgas, das den Mörtel aufschäumt und porös macht.

Weitere innovative Verfahren sind in der Erprobung. So hat z.B. die Firma Saperatec eine spezielle Mikroemulsion entwickelt, die auf Tensiden basiert und die Oberflächenspannung zwischen den Verbundschichten so reduziert, dass man sie mit einer entsprechenden Anlagentechnik trennen kann.

Die Hersteller von Getränkekartons und die ReCarton GmbH sind seit Mitte der 1990er Jahre bemüht, innovative Verwertungsverfahren zu fördern. Da die ReCarton nicht Eigentümer des Materials ist und die Recyclingpartner in der Papierindustrie selbst entscheiden, wo sie die im Rahmen des Aufbereitungsprozesses anfallenden Reststoffe verwerten, kann nur mittelbar Einfluss auf die Verwertungswege genommen werden.