Erste Ökobilanz nach neuen UBA-Anforderungen

Die Ökobilanz des Ifeu-Instituts zu Milch und Saftverpackungen (2018) erfüllt die aktualisierten methodischen Anforderungen des Umweltbundesamtes (UBA). Diese wurden vom UBA nach dreijähriger Forschungsarbeit sowie intensiven Diskussionen mit Wirtschafts- und Umweltverbänden im Februar 2016 veröffentlicht. Grundlage ist der internationalen Standard der ISO-Normenreihe 14040- 44. Dort sind verbindliche Verfahrensregeln festgelegt, die es ermöglichen, überprüfbare Bilanzen zu erarbeiten, die dem Stand der Wissenschaft entsprechen. Das Bundesumweltministerium hat erklärt, zur Vorbereitung politischer Entscheidungen – wie z.B. Pfandpflichten für Getränkeverpackungen – nur noch Ökobilanzen zu akzeptieren, die auf Grundlage dieser Anforderungen erstellt und vom UBA geprüft wurden. 

Die Hersteller von Getränkekartons sind dieser Forderung als erste Branche nachgekommen. Die im Juli 2019 veröffentlichte Ökobilanz hat daher Pilot-Charakter: Sie erfüllt die UBA-Anforderungen und wurde von einemGutachterausschuss unter Vorsitz des Öko-Instituts fachlich begleitet, der die ISO-Konformität bestätigt hat. Das vom Fachverband Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel e.V. (FKN) beauftragte Institut für Energie und Umweltforschung Heidelberg (ifeu) ist eines der renommiertesten Institute auf dem Gebiet der Ökobilanzierung und war auch federführend an der Erarbeitung des UBA-Mindeststandards beteiligt. 

Was wurde untersucht?


Die UBA-Mindestanforderungen schreiben vor, dass alle marktrelevanten Verpackungen innerhalb eines Getränkesegments mit einem Marktanteil von mehr als fünf Prozent untersucht werden müssen. Der Auftraggeber einer Ökobilanz kann sich also nicht aussuchen, mit welchen Verpackungen er sich vergleichen will. Im Rahmen der aktuellen Studie wurden Mehrweg-Glasflaschen mit PET-Einwegflaschen und Getränkekartons in den Segmenten Frischmilch, H-Milch und Fruchtsaft verglichen. 

Von der Wiege bis zur Bahre


Der englische Begriff „Life Cycle Assessment“ (LCA) macht deutlich, worum es bei Ökobilanzen geht. Es wird der gesamte Lebensweg eines Produktes betrachtet: Von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung bzw. dem Recycling werden Umweltauswirkungen erfasst. Dabei wird nicht nur die Produktion der Verpackung unter die Lupe genommen; auch die Herstellung der Vorprodukte, teilweise sogar der Hilfs- und Betriebsstoffe, sowie die Förderung und Bereitstellung der Rohstoffe werden bilanziert. Einbezogen werden auch alle Transporte, die dabei notwendig sind. Auf jedem Lebenswegabschnitt entstehen Umweltbelastungen in den Bereichen Wasser, Luft und Boden. Diese müssen quantifiziert und bewertet werden. 

Im Rahmen der Ökobilanz wurden acht Wirkungskategorien untersucht:  

  • Aquatische Eutrophierung
  • Feinstaub
  • Klimawandel
  • Photochemische Oxidantienbildung (Sommersmog)
  • Ressourcenbeanspruchung
  • Stratosphärischer Ozonabbau (ODP)
  • Terrestrische Eutrophierung
  • Versauerung