Ein Interview mit Martin Schröder

Geschäftsführer, Fachverband Getränkekarton e. V. (FKN)

Der FKN feiert in diesem Jahr sein 45-jähriges Bestehen. Was verbinden Sie persönlich mit dem Verband?

Den FKN kannte ich bereits vor meiner Zeit beim Verband aus verschiedenen Wirtschaftsgremien. Was mir damals auffiel: Der FKN argumentiert faktenbasiert, pragmatisch und mit klarer Haltung. Es ging immer darum, gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen für den Getränkekarton zu schaffen und gleichzeitig das Recycling kontinuierlich weiterzuentwickeln. Diese Kombination hat mich schon damals überzeugt.

Denn für mich steht der FKN für gelebte Herstellerverantwortung. Nachhaltigkeit endet nicht am Werkstor und auch nicht mit dem Verkauf eines Getränks. Entscheidend ist, was mit der Verpackung danach passiert: Werden ihre Rohstoffe zurückgewonnen, im Kreislauf gehalten und anschließend wieder industriell eingesetzt?

Genau diese Mischung macht den FKN für mich so interessant: wirtschaftliche Vernunft, technische Innovation und Verantwortung für den gesamten Kreislauf. Ich bin überzeugt, dass diese Verbindung auch in Zukunft entscheidend sein wird.

Vor welchen Herausforderungen steht der Getränkekarton aus Ihrer Sicht derzeit?

Die zentrale Herausforderung ist, die gut funktionierende Recyclinginfrastruktur für Getränkekartons weiter auszubauen. Dafür brauchen wir wirtschaftlich erfolgreiche Recyclingunternehmen, die hochwertige, marktfähige Rezyklate herstellen. Diese müssen am Markt nachgefragt und abgenommen werden. Ich hoffe, dass der geplante Circular Economy Act auf europäischer Ebene endlich substanzielle Schritte für einen funktionierenden Rezyklatemarkt bringt.

Auch die Mülltrennung in Deutschland muss weiter verbessert und Fehlwürfe müssen wirksam vermieden werden. Noch zu viele Getränkekartons, die in die Gelbe Tonne gehören, landen im Restmüll und gehen damit durch die Verbrennung unwiederbringlich verloren. Das muss nicht sein – hier ist jede Verbraucherin und jeder Verbraucher gefragt.

Bei der EU-Verpackungsverordnung PPWR ist darauf zu achten, dass es klare, verlässliche und europaweit abgestimmte Regeln gibt. Nationale Sonderwege und zusätzliche Bürokratie sollten vermieden werden, wenn sie keinen zusätzlichen ökologischen Nutzen bringen.

Auch die Verpackung selbst muss sich weiterentwickeln: Materialeinsatz, Funktionalität und Recyclingfähigkeit müssen dabei Hand in Hand gehen.

Sie sind Bundesumweltminister: Was wäre Ihre erste Maßnahme im Bereich Verpackungspolitik?

Meine erste Maßnahme wäre, die Verpackungspolitik konsequent am gesamten Lebensweg einer Verpackung auszurichten. Wir sollten nicht einzelne Materialien oder Verpackungssysteme vorverurteilen, sondern auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse und belastbarer Daten bewerten. 

Gerade beim Getränkekarton wird deutlich, wie wichtig dieser ganzheitliche Blick ist. Seine Umweltleistung lässt sich nicht allein anhand seiner Materialzusammensetzung beurteilen. Entscheidend ist, wie die Verpackung unter realen Bedingungen im Kreislauf funktioniert und welche Rohstoffe zurückgewonnen werden können.

Die Politik sollte unterschiedliche Verpackungen nach einheitlichen, wissenschaftlich fundierten Kriterien bewerten. Nicht die öffentliche Wahrnehmung einer Verpackung darf entscheidend sein, sondern ihre tatsächliche ökologische Leistung.

Mein Ziel wäre eine evidenzbasierte Verpackungspolitik, die Recycling stärkt, Mehrweg und Einweg gleichrangig betrachtet, Innovationen ermöglicht und dort ansetzt, wo die größten ökologischen Verbesserungen erreicht werden können.